Manchem wird’s ähnlich gehen wie mir: Aus reiner Bequemlichkeit habe ich die letzten Jahren meinen Telefon-Provider nicht mehr gewechselt. Völlig ungeachtet von Akquisitionsversuchen in Einkaufszentren, Werbeflyern oder Überzeugungsversuchen durch Call Center. Mein Wissensstand ist also alles andere als up-to-date. Da kann’s nicht schaden, frech auftretende Telefonkom-Anbieter, die mit “Warum mehr bezahlen?” werben, genauer unter die Lupe zu nehmen.
Sich in den kreativ gestalteten Tarifplänen der Telekom-Anbieter zurecht zu finden ist nicht einfach. Längst hat man auch in diesem Business erkannt, dass man es den Konsumenten allzu einfach macht, wenn man direkt vergleichbar ist. Deshalb gibt’s je nach Anbieter Sparmöglichkeiten für Nachttelefonierer, Wochenende-Rabatte, Familien-Vergünstigung und so weiter. Wenn da einer wie Tele2 lauthals verkündet: “Einen Tarif für alle Netze”, dann macht das hellhörig. Tele2 mit seinem “Tele2 Mobile One”-Produkt wird dadurch ziemlich einfach vergleichbar. Entweder geht man davon aus, dass ja doch keiner wirklich vergleicht, oder man ist sich seiner Sache ziemlich sicher.
Es ist natürlich naheliegend, die eigenen Mobiltelefon-Abrechnung zur Hand zu nehmen und ein paar Rechenspielchen im Sinne von “Was wäre, wenn ich Tele2-Kunde wäre” aufzustellen. Und das fängt – sorry, Tele2 – schon mal schlecht an für den frechen Anbieter. Die ersten knapp vierzig Gespräche dauerten in fast allen Fällen deutlich unter einer Minute und haben mich insgesamt CHF 11.95 gekostet.
Bei Tele2 wären diese Gespräche auf über CHF 16.60 gekommen. Warum? Tele2 verrechnet für jeden Anruf einmalig eine Verbindungsgebühr von 19 Rappen. Die erste Minute Gespräch kostet dadurch 38 Rappen, jede weitere die 19 Rappen Einheitstarif . Dadurch, dass offenbar nicht sekundengenau abgerechnet wird, kosten meine zahlreichen 20 Sekunden-Anrufe über Sunrise halt deutlich weniger als sie bei Tele2 kosten würden. Ganz extrem ärgern würde mich diese Abrechnungsart bei den zahlreichen Verbindungen auf die Anrufbeantworter anderer Teilnehmer. Da hängt man häufig auf, sobald man realisiert, dass der Telefonbeantworter dran ist, oder? Bei Anbietern, die nicht sekundengenau abrechnen kostet das den vollen Tarif für die erste Minute (bei Tele2 38 Rappen). Arrgh!
Wenn wir schon bei kleineren Unschönheiten sind: Wer sich für die unverbindlichere Prepaid-Version von Tele2-Abo entscheidet, der soll sich bitte nicht zuviel versprechen vom Einheitstarif. So einheitlich ist der dann nämlich nicht mehr. Genauer gesagt existieren für Prepaid-Kunden zwei Tarife. Tarif 1 entspricht dem Standard-Tarif von Tele2, Tarif 2 ist bis zu 50 % teurer (SMS 15 statt 10 Rappen, Anrufe Fest-/Mobilnetz 25 statt 19 Rappen). Nur wer regelmässig alle dreissig Tage mindestens 10 Franken nachlädt, profitiert vom günstigeren Tarif. Der Bestrafte ist dann also der, der sich gleich mal zweihundert Franken auf die Karte lädt und damit ein paar Monate telefoniert.
Doch zurück zu meiner Vergleichsrechnung: Was ich im Endeffekt leider nicht wirklich vergleichen kann, sind die SMS-Kosten. Da bei unserem Abo 250 SMS für CHF 25.– inklusive sind, ist der Preis pro SMS natürlich günstiger als bei Tele2. Da kostet ein SMS übrigens CHF 0.15, in alle Netze. Ab und zu werden die 250 SMS (–ja, es ist das Gerät meiner Frau) nicht aufgebraucht, was den Preis pro SMS theoretisch natürlich wieder in die Höhe treibt. Aber da eine sinnvolle und realistische Mischrechnung aufzustellen, war mir dann doch etwas zu aufwändig für einen Review. 15 Rappen pro SMS halte ich durchaus für fair, solange man kein Dauer-Tipper ist. Die multimedialen MMS schlagen übrigens mit 0.50 Franken zu Buche, was im Konkurrenzvergleich ok ist, allgemein gesehen aber natürlich immer noch viel zu teuer bleibt.
Wo ich sparen könnte, wenn auch nicht viel (unterm Strich ca. 5 Franken monatlich), wäre beim mobilen Internet. Tele2 verlangt da 3,5 Rappen je 10 kb, mein heutiger Provider kassiert 10 Rappen für 20 kb (ja, Hauptsache nicht direkt vergleichbar;-)). Aber auch hier müsste ich weiter rechnen, benutze ich doch nicht jeden Monat mobile Internetdienste. Die Ersparnisse des von mir gewählten Beispielmonats widerspiegeln sich daher nicht unbedingt in jedem Monat.
In meinen Augen ist Tele2 ein ernstzunehmender Gegner für die länger etablierten Provider. Die Tarife sind – mal von den zweistufigen Prepaid-Tarifen abgesehen – wirklich einfach zu verstehen. Das ist löblich, den komplizierte Dinge haben wir schon genügend im Leben. Allerdings sind auch Sunrise und Co wieder auf dem Weg zur Einfachheit. Behaupten sie zumindest. Die minuten- statt sekundengenaue Abrechnung bei Tele2 ist nicht der Fairness letzter Schlüssel und fällt bei starken Kurztelefonierern besonders ins Gewicht. Die Preisvergleiche auf der Tele2-Website sind wirklich aussagekräftig. Es ist natürlich keine Kunst, seine Beispiele so zusammen zu stellen, dass das eigene Unternehmen als Gewinner hervorgeht. Trotzdem, sparen ist möglich. Bei mir könnten’s wohl so ein bis vier Franken im Monat sein. Aber mal ganz ehrlich: Ich bin ehrlich gesagt zu faul, um deswegen den Provider zu wechseln.
Was für mich immer auch ein Grund für einen “Nichtwechsel” darstellt, ist die Qualität. Diese konntest Du ja leider nicht ausloten…
Denn für mich ist die Qualität der gesammten Dienstleistung wichtig. Daher werde ich meinen aktuellen Festnetzanschluss zum Beispiel nie und nimmer zu der ominösen verkabelten Firma, welche hier nicht genannt werden soll, wechseln. Mag sein dass diese nämlich billiger ist als mein Anbieter – aber ich meine wirklich billig im Sinne des Wortes, nicht günstig!
Ich muss immer über die Reaktion lachen, wenn so ein schwarz gekleidedeter Typ in einem Shop auf mich zu kommt. Auf die immer gleichen “Anmach-Fragen” habe ich mitlerweilen ein cooles Antwortpaket. Auf die Frage: “Möchten Sie dünstiger Surfen?” Antworte ich “Nein!” und lasse den sichtlich überforderten “Verkäufer” stehen!
Die von dir genannten Elemente wie Service, Sprachqualität, etc. aber auch Ausfallhäufigkeit, Support, und so weiter sind sicherlich weitere Bestandteile, deren Test etwas schwierig sind. Andererseits bin ich davon überzeugt, dass für jeden Swisscom-Kunden, der nie wieder zu Sunrise will auch einen Sunrise-Kunden gibt, der nie wieder zur Swisscom will. Und das Gleiche gilt wohl für alle Anbieter. Und auch alle Branchen. Kenne ich aus der Auto-Welt ja auch.
Und ich bin ja nicht anders. Seit mich vor ein paar Jahren Orange unfair behandelte, habe ich nie wieder in Erwägung gezogen, zu denen zu wechseln. Auch nicht jetzt, wo mein Wunschgerät exklusiv bei denen erhältlich ist.
Einen Kunden verlieren kann man innert Sekunden, ihn wieder zu gewinnen nimmt Monate in Anspruch. Wenn’s überhaupt möglich ist.
Genau, da bin ich gleicher Meinung. Wenn man es mit der Kundschaft verspielt hat, wollen die nicht mehr so schnell mit einem spielen…
Ist ja “im richtigen Leben” auch irgendwie so – oder?